2015
Die Ernte ist die Zeit der Frauen. Die meiste Arbeit liegt bei ihnen. Sie stammen nicht notwendig aus dem gleichen Dorf. Viele aus den Nachbarorten gesellen sich zur Erntezeit geschäftig hinzu. Wer hilft, kriegt Reis ab. Jede Verrichtung hat ihr eigenes (Getreide-)Maß: schneiden, bündeln, tragen, dreschen, wörfeln, einsacken.
Gleich am Dreschplatz finden sich ambulante Händlerinnen ein, die Seife, Orangen, Bonbons, Erdnüsse und andere Kleinwaren im Tausch gegen Reis anbieten (Bild rechts).
Die Saison 2014/15 ist für die Bewässerungsfelder gut verlaufen. Am Bara Issa, dem Seitenarm des Niger, sind im Jahr 2014 zwölf neue Felder (à 40 ha) entstanden. Die Arbeiten hatten im April begonnen. Bis zum Einsetzen der Flutwelle Ende Juni waren sie alle fertiggestellt. Rechtzeitig, im Einklang mit dem der Witterung wegen so wichtigen landwirtschaftlichen Kalender, konnten die Kleinbauern die Reispflänzchen verziehen.
Wie erwartet war die Bewässerungslandwirtschaft die Lebensversicherung der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Die Saison verlief problemlos und brachte eine gute Ernte. Wer die Bilder genau studiert, bemerkt alle Anzeichen von Normalität. Der Alltag sieht aus wie vor der Besetzung des Nordens.
Ganz so weit ist es allerdings noch nicht, auch wenn in Goundam und Timbuktu die öffentlichen Gebäude bereits wieder hergestellt werden. Ein Teil der Bevölkerung, der hellhäutige nämlich, befindet sich weiterhin in den Flüchtlingslagern in Mauretanien. Léré oder Dari z.B. haben zur Normalität noch nicht zurückgefunden. Das werden sie wohl erst wenn die Friedensverhandlungen von Algier Anfang 2015 zu einem erfolgreichen Abschluss kommen und anschließend ernsthaft in den Wiederaufbau des Nordens investiert wird.
Fotos: Nouhou Maiga, Dezember 2014
Ernte 2014
13. Januar 2015