2015
Im Frühjahr 2012 fiel die Region Timbuktu innerhalb weniger Tage erst unter die Herrschaft der Rebellen, dann der Islamisten. Nach dem Fall Timbuktus warteten die kleinen Landstädte Goundam und Diré, in sorgenvoller Erwartung, was sich nun bei Ihnen abspielen würde und jeder traf seine eigenen Vorbereitungen. Wer ein neueres Auto hatte, brachte es (mit der Fähre) auf die andere Seite des Niger. Liegenschaften dagegen sind von Natur aus immobil. Was tun?
Der Chef der Werkstatt zur Installation und Wartung der Motorpumpen, Boubacar Bah (Bild Mitte, links), in seinem Leben schon oft auf schwierige Proben gestellt und von der Rebellion der 1990er Jahre schwer gebeutelt, verfiel auf die Strategie, alles Wertvolle abzubauen, zu verteilen und zu verstecken. Die Fahrzeuge und die Motorräder seiner Mechaniker hatte man schon in Sicherheit gebracht, jetzt ging es um die Motorpumpen, das Zubehör, das teure Werkzeug und die Einrichtung der Werkstatt: Generator, Druckluftanlage, Werkbänke, Schreibtische, Schränke, Stühle, Hocker, Schmierstoffe, Öl usw. Alles wurde innerhalb von zwei Tagen und einer Nacht abgebaut, auseinandergenommen und auf Hütten und Höfe in der Stadt und in umliegenden Dörfern verteilt.
Die staatliche Berufsschule und die Lehrerfortbildungsanstalt in Diré wurden von den Rebellen und der plündernden Bevölkerung vollständig zerstört, selbst das Wellblech von den Dächern wurde demontiert. Die Werkstatt GMA dagegen blieb erhalten, wurde ab August 2013 wieder in Betrieb genommen und nach und nach eingerichtet. In der Zwischenzeit hatten Bah und seine Mechaniker klandestin und dezentral die Motorpumpen in den Dörfern gewartet oder repariert.
Bewährt hat sich hier wie anderswo, was man als ownership bezeichnet: Nutznießer und Eigentümer der Bewässerungsanlagen sind nämlich die Kleinbauern und im Falle der Werkstatt die Mechaniker. Deren Ortsverbundenheit und gewitzte Überlebenskunst haben die drohende Zerstörung verhindert. Was sie jetzt dringend brauchen ist die Rückkehr zur Normalität und eine Wiederbelebung der lokalen und regionalen Wirtschaftskreisläufe.
Text: Henner Papendieck
Fotos: Moctar Bah, 2014
Den Zustand der Werkstatt bei ihrer ersten Fertigstellung Ende 2010 sieht man unter:
http://www.programm-mali-nord.de/aktuell/2010/12.html
Die Garage de Maintenance Agricole (GMA) in Diré
18. Januar 2015